Biketouring: 2. Etappe – Soča und Triglav Gebirge
Flussaufwärts ins Gebirge
Tag 6: Nova Gorica nach Tolmin
Nach unserem Pausentag starten wir wieder einigermaßen fit. Meine Stimme ist zwar immer noch ziemlich angeschlagen, also versuche ich, sie so gut es geht zu schonen. Oli übernimmt dafür einfach den Redeteil – und genießt das sichtlich.
Es ist einfach schön, wieder in Slowenien zu sein. Wir mögen das Land wirklich sehr. Ziemlich schnell erreichen wir die Soča und folgen ihrem Lauf – mal auf Radwegen, mal auf der Straße. Gleich zu Beginn sammeln wir ordentlich Höhenmeter, und in der zweiten Tageshälfte führt uns die Strecke leider öfter auf die Straße. Die Autos nehmen aber viel Rücksicht, und insgesamt ist noch nicht allzu viel Verkehr unterwegs. Erst je näher wir Bovec kommen, desto mehr Camper und Autos mit Kajaks am Dach begegnen uns – aber alles noch gut im Rahmen.
Der Tag zieht sich, und so richtig glücklich sind wir zunächst nicht mit den Plätzen, die sich fürs Zelten anbieten. Ein bisschen vermissen wir das Jedermannsrecht aus Skandinavien. Also sprechen wir ein paar Einheimische an, und tatsächlich bekommen wir einen Tipp: ein kleiner Campingplatz. „Da wird es euch schon gut gehen“, meint ein freundlicher Herr.
Der Platz ist zwar offiziell noch geschlossen, aber wir finden trotzdem einen Platz. Mehr noch – wir werden herzlich aufgenommen, die Kleine darf Tiere füttern, und es entstehen richtig schöne Gespräche. Genau solche Momente machen die Reise besonders.
Tag 7: Tolmin nach Bovec
Wir schlängeln uns weiter entlang der Soča, hinein Richtung schneebedeckter Bergwelt – mit großer Vorfreude auf Bovec. Vor ein paar Jahren waren Oli und ich schon einmal hier, damals noch ohne Kinder. Umso schöner, jetzt zurückzukehren.
Die Etappe nach Bovec ist kurz, aber knackig. Unser kleiner Boy findet heute nicht so recht in seinen Rhythmus, und kurz vor dem Ziel müssen wir nochmal eine Pause einlegen – das kostet ein bisschen Nerven. Danach erledigen wir noch den Einkauf und machen uns auf die Suche nach einem geöffneten Campingplatz. Im Triglav-Nationalpark ist Wildcampen verboten und wird auch streng kontrolliert, also halten wir uns daran.
Zum Glück werden wir fündig: ein offener Campingplatz mit traumhafter Bergkulisse und einem richtig schönen Sonnenuntergang. Diesmal sind wir auch nicht allein – Bovec ist ein echter Hotspot für Rafting und Kajakfahren, und rund um das Osterwochenende ist schon einiges los.
Lange waren wir uns nicht ganz sicher, wie es nach Bovec weitergeht. Jetzt steht der Plan: Unser erster Pass wartet. Oli hat die letzten Tage – und auch die kommenden – bewusst so geplant, dass wir die Höhenmeter Stück für Stück steigern, nicht zu lange im Sattel sitzen und möglichst früh ankommen, um uns gut erholen zu können.
Tag 8: Bovec nach Trenta
Ich bin aufgeregt – es geht ins Trentatal hinein. Wir biegen ab Richtung Vršič-Pass, vorbei an Kranjska Gora, mitten durch den wunderschönen Triglav-Nationalpark. Es ist einfach ein absoluter Traum!
Für die erste Schlafphase bin ich alleine mit dem Boy im Anhänger unterwegs. Oli und die Kleine sind nochmal einkaufen gefahren – die letzte Chance vor den Osterfeiertagen. Und ja, so eine vierköpfige Familie kann ganz schön was verdrücken. Der Plan, mit möglichst wenig Gepäck den Pass zu fahren, ist damit wohl endgültig dahin.
Die Fahrt ist ein echter Genuss. Die Soča glitzert neben mir und lädt eigentlich ständig dazu ein, stehen zu bleiben – Steine stapeln, verweilen, einfach genießen. Natürlich fahre ich erstmal weiter… zumindest bis der Boy aufwacht. Heute fällt es mir besonders schwer, nicht ständig irgendwo anzuhalten.
Kurz darauf holen mich Oli und die Kleine wieder ein. Gemeinsam wird gesnackt, gelacht und die letzten Kilometer bis zum letzten Campingplatz in Trenta geradelt. Der Campingchef schaut etwas verwirrt, als wir ankommen – am Telefon hatte er schon gemeint, dass es ziemlich kalt sei. Und spätestens kurz vor dem Platz bekommen wir einen kleinen Vorgeschmack darauf, was uns am nächsten Tag erwarten wird.
Tag 9: Trenta nach Kranjska Gora über den Vršič-Pass
Guten Morgen! Heute steht unser erster Pass an – auf 1611 Metern Höhe. Haha, oje. Vor uns liegen rund 900 Höhenmeter – mit zwei Kleinkindern und insgesamt etwa 130 kg aus Gepäck, Kindern, Fahrrädern und Eigengewicht. Klingt erstmal… sportlich.
Aber bevor wir loslegen, machen wir in der Früh große Augen. Wir haben nämlich Besuch bekommen – ein Gast, der offenbar öfter mal vorbeischaut: ein Fuchs. Vorbildlich haben wir am Abend noch unseren Müll entsorgt und alles fein säuberlich verstaut… naja, fast alles. Die Snacks vom Boy im Anhänger haben wir leider vergessen. Und genau die hat der kleine Besucher erschnuppert. Er hat sich kurzerhand Zugang zu den Reiswaffeln verschafft – und damit ist das Frontfenster unseres treuen Anhängers jetzt endgültig durch.
Gegen 10 Uhr starten wir schließlich in den Anstieg. Schritt für Schritt kurbeln wir uns die Serpentinen hinauf. Jede Kehre ist nummeriert und mit Höhenmetern beschriftet – und irgendwie haben diese Zahlen immer wieder auffällig „schöne“ Kombinationen. Ob das wohl Absicht ist? Wir rätseln ein bisschen vor uns hin, während wir uns Kurve für Kurve nach oben arbeiten.
Wir kommen beim Soča Ursprung vorbei wo in der Hochsaison bestimmt einiges los ist. Die Strasse ist versehen mit einer Schranke, ein guter Hinweis dafür. Der Boy schläft gute 1,5h und wir kommen voran. Die erste Pause wird natürlich erst gemacht, wenn er aufwacht. Und ab dann wird es spannend wie lange er es noch aushält im Anhänger. Die Fahrt ist sauanstrengend. Aber so richtig geil! Zum ersten mal kann ich nachvollziehen wie sehr eine Motivation von vorbeifahrenden Autos wirkt. Es ist unglaublich was so ein Daumen ausmacht. Ich krieg Gänsehaut und bin motiviert weiterzumachen.
Die letzten 200 Höhenmeter werden dann zur größten Herausforderung. Der Boy hat endgültig genug, auch vorne im Sitz will er nicht mehr bleiben. Auf etwa 1530 Metern machen wir nochmal eine Pause, sammeln uns für die letzten Meter. Die fahren wir dann mit weinendem Boy – entsprechend schnell sind wir oben.
Und dann: oben. Mir kommen die Tränen – vor Erleichterung, Stolz und purer Freude. Wir genießen die Aussicht, kochen unser wohlverdientes Mittagessen zwischen parkenden Autos und lassen alles kurz sacken, bevor wir uns an die Abfahrt machen. Die Abfahrt ist wunderschön, umgeben von einer beeindruckenden Bergkulisse. Unterwegs treffen wir sogar eine andere Familie mit ihrer vierjährigen Tochter auf dem Weg nach oben. Wir tauschen ein paar Worte, motivieren uns gegenseitig – und freuen uns riesig über Gleichgesinnte.
In Kranjska Gora ist ordentlich was los – Ostersonntag. Wir umgehen die großen Touristenplätze und stoßen etwas außerhalb bei einer kleinen Bar an. Das Beste: Wir dürfen unser Zelt direkt dort aufschlagen. Perfekt für uns.
Tag 10: Kranjska Gora nach Villach über den Wurzenpass
Spontan entscheiden wir uns, auch noch den Wurzenpass mitzunehmen. Von der slowenischen Seite sind es „nur“ etwa 300 Höhenmeter – aber die haben es in sich. Kurz, steil und richtig knackig. Noch spannender wird die Abfahrt: 18 % Gefälle. Die Bremsen halten gut, wir fühlen uns sicher – Spaß macht es trotzdem nicht wirklich. Dazu kommt der Verkehr: Der Pass ist eine wichtige Verbindung zwischen Slowenien und Österreich, entsprechend viele Autos sind unterwegs.
Wir wussten das alles – und haben uns trotzdem dafür entschieden. Warum? Weil wir uns auf zuhause freuen. Die Kleine kann es kaum erwarten, ihre Freundin wiederzusehen, und wir sehnen uns nach ein bisschen Erholung. Wir sind voll – im besten Sinne. Voll mit Eindrücken, Erlebnissen und Erinnerungen.
Also geben wir nochmal alles, um rechtzeitig in Villach zu sein und den Zug um 14 Uhr nach Salzburg zu erwischen. Am Abend, gegen 18 Uhr, kommen wir müde zuhause an.
Müde – und überglücklich.